La Storia

DIE GESCHICHTE

Wie viel Leben hat sich hier abgespielt.

Über den ländlichen Gutshof von Piovezzano, allgemein Ca’ dei Frati oder Corte Ronzetti genannt, gibt es nur sehr wenig Informationen. Mit Sorgfalt und Hingabe hat sich die Familie Padovani darum bemüht, die Geschichte dieses Ortes zu rekonstruieren. Um sie weiterzugeben, um sie zu erzählen. Um einen Ort zu würdigen, der es verdient, verstanden und wieder bewohnt zu werden.

 

Die architektonische Struktur erinnern in ihrer Art an die geschlossenen Innenhöfe, die in ganz Italien seit dem Mittelalter weit verbreitet sind. Ca’ dei Frati weist alle erforderlichen Eigenschaften für das Leben in einem abgeschlossenen Hof auf: Das Vorhandensein von Öfen und Brunnen zeigt die Notwendigkeit zur Versorgung einer großen Anzahl von Menschen und die Überreste der mit Archivolten versehenen Öffnungen in der Außenmauer des Komplexes – die heute verschlossen sind und an eine mittelalterliche Anlage erinnern – der sich vom Eingang aus gesehen links befindet, zeugen von seiner Verteidigungsrolle. Damit lässt sich die Entstehung des kleinen Hauses, das sich nördlich des Haupthauses erhebt, ziemlich sicher auf das Mittelalter datieren.

 

Daran erinnert auch die Fassadenmalerei, die auf Sanierungsarbeiten im frühen 20. Jahrhundert zurückgeht und ein typisch mittelalterliches Mauerwerk mit großen Öffnungen, die durch eine scheinbare Holzkonstruktion mit diagonalen Streben versperrt sind, szenisch darstellen wollte. Im Laufe der Jahrhunderte wurden an der mittelalterlichen Anlage weitere Eingriffe zur sogenannten „Verschönerung“ durchgeführt, die angefangen vom 18. Jahrhundert bis zum 20. Jahrhundert reichen. Brugnoli beschreibt in seinem Buch Pastrengo, dass der Gutshof anscheinend den Marinelli, den Cagozzi und schließlich der Kongregation des Heiligsten Erlösers, den sog. Redemptoristen, gehört haben soll. In Bezug auf die Redemptoristen wurden keine Dokumente gefunden, aber der Name Ca‘ dei Frati wird heute noch von den älteren Menschen von Pastrengo als Bezeichnung für den Gutshof verwendet, was man als einen plausiblen Nachweis für deren Besitz oder zumindest deren Anwesenheit auf dem Gutshof in der Vergangenheit ansehen könnte. Es ist anzunehmen, dass der Gutshof einst dazu bestimmt war, ein wahrer funktioneller Ort für das unabhängige und autarke Gemeinschaftsleben zu sein, mit Kapellen, Öfen, Brunnen usw. Die Redemptoristen hätten den Gutshof auch als Rückzugsort für die spirituelle und meditative Einkehr nutzen können, da er abgelegen und separiert vom eigentlichen Sitz der Kongregation lag, die seinerzeit sehr stark frequentiert gewesen sein dürfte.

 

Wie lange die Kongregation als Eigentümer des Gutshofs fungierte, ist nicht ganz klar, jedoch waren die letzten Besitzer, die Familie Ronzetti, bereits mit Sicherheit seit 1932 hier ansässig, als die Sanierungsarbeiten begonnen wurden, die nachweislich von der Familie Ronzetti in Auftrag gegeben wurden. Darauf weist auch die Kartusche über der Eingangstür des dem westlichen Hof gegenüberliegenden Herrenhauses hin: ANNO DOMINI MXMXXXII. Zu diesem Zeitpunkt baute Piero Ronzetti das Herrenhaus von Grund auf neu, ließ aber das Gelände unverändert und verschönerte äußerlich das nördlich stehende kleine Häuschen mit stilistischen Elementen des sogenannten „Liberty“-Stils. Diese italienische Variante des Jugendstils entwickelt sich in der Gegend von Verona vor allem seit den 1930er Jahren auf Grundlage einer internationalen, eindeutig als Déco zu bezeichnenden Stilrichtung, zu einer Art Neo-Historismus, der die Motive der klassischen Tradition aufgreift. In unserem Fall orientiert sich die Umsetzung in gewisser Weise am 18. Jahrhundert, wie aus den Stuckarbeiten oberhalb der Fenster und den großen groben Stuckflächen ersichtlich ist, die mit ihren stilisierten Kartuschen eben an die Formen des 18. Jahrhunderts erinnern.

 

Auch fehlt es nicht an Hinweisen auf die starke Sanmicheli-Tradition in der Region Verona, die in den Ecken mit falschem Bossenwerk in gestaffelter Anordnung zu erkennen ist. Bei der Neugestaltung von Ca‘ dei Frati wurde sowohl in den Innenräumen als auch an den Außenwänden Wandmalerei eingesetzt. Diese Entscheidung sollte die Verbindung zur Veroneser Tradition herstellen, die seit jeher Wandmalerei nicht nur für eigene Zwecke, sondern auch für die Comodo Civitatis verwendete. Besondere Bedeutung hat in diesem Zusammenhang die prunkvolle Präsentation des Familienwappens, fast wie um die neue Position des Grundbesitzers zu unterstreichen, die Piero Ronzetti erlangt hatte.

 

Dasselbe gilt für die Innendekoration, die mit einem Fries unter der Decke fast jeden Raumes und einem großen Oval an der Decke der Eingangshalle mit einer Darstellung von Pastrengo, umgeben von einem Engelszug, aufwartet. Der von Ronzetti in Auftrag gegebene Bau aus dem 20. Jahrhundert entspricht dem Entwicklungsprozess des großbürgerlichen Hauses. Anfang des 20. Jahrhunderts wurde der Bau des großen Palastes begonnen, später wurde er zu einem Mietshaus umgebaut. Letztendlich wurde er aus Gründen der Privatsphäre wieder zu einer unabhängigen Villa, die nicht mit anderen geteilt werden sollte. In unserem Fall handelt es sich um die Neuauflage der venezianischen Villa, die sich in einen bereits vorgezeichneten Kontext eingliedert.

DIE ARCHITEKTUR

Viele Eingriffe, viel Leben, viel Charme.

Der Gutshof weist immer noch die Merkmale seines ursprünglichen Charakters eines geschlossenen Hofes auf, der sich durch drei unabhängige Eingänge auszeichnet, die an der heutigen Via Piovezzano Vecchia liegen. Die architektonische Struktur des Gutshofs wurde in der Tat so angelegt, dass die drei Nutzungsbereiche – Häuser, Nebengebäude und Kirche – über drei unabhängige Eingänge verfügen, die alle auf die Via Piovezzano Vecchia innerhalb des Stadtkomplexes weisen. Die drei Bereiche sind jedoch innerhalb des Hofes miteinander verbunden; der Garten, der zentrale Hof und der westliche Hof sind durch interne Öffnungen miteinander verbunden, die auf einer Achse parallel zur Via Piovezzano Vecchia liegen. Alle drei Eingänge an der Via Piovezzano Vecchia, die die unterschiedlich gebauten Fassadenfronten unterbrechen, sind auf ähnliche Weise mit einem Rundbogen mit Ecken aus Steinquadern gestaltet.

 

Die ersten beiden zeigen sich mit einer falschen Putzverkleidung, wo die Textur der Ziegel mit einem Griffel eingeritzt und der noch feuchte Putz mit roter Erde bemalt wurde. Die beiden äußeren Tore werden von einem Doppelgiebeldach gekrönt, dass zur Straße zu in einer stark hervorstehenden Holztraufe endet. Das zentrale Tor, das den Zugang zum Gutshof bildet, ist im Gegensatz zu den anderen beiden mit einem vorspringenden Sturz gekrönt, auf dem drei große Steinvasen stehen. Die Torpfosten wurden als verziertes Bossenwerk nach der Mode der Renaissance gestaltet und der Schlussstein des Bogens zeigt das Wappen des Eigentümers, in diesem Fall der Familie Ronzetti, mit einer gekrönten Taube mit ausgebreiteten Flügeln, die auf einem landwirtschaftlichen Wagen steht. Dieser Eingriff verweist auf den Anfang des 20. Jahrhunderts, genauer gesagt das Jahr 1932, als Piero Ronzetti Eigentümer wurde. Dieses Datum erscheint in einer mit Fresken verzierten Kartusche auf dem Gebäude gegenüber dem westlichen Hof.

 

Was die Fassade ausmacht und sicherlich wert ist, erhalten zu werden, ist die plastische Dekoration aus Gips, die kunstvoll mit unterschiedlichen Farben bemalt ist. Diese Dekoration unterteilt die Fassade in Felder in einem Spiel idealisierter Kartuschen, die aus einem weißen Untergrund hervortreten. Im zentralen Feld befindet sich eine gemalte Kartusche mit dem Familienwappen. Einzigartig ist das Bossenwerk an den Ecken des Gebäudes, das sich durch falsche abgesetzte Steinquader aus Putzauflage auszeichnet. Die Verwendung von Wandmalerei charakterisiert sowohl die Innenräume als auch die Außenwände. Ein Beispiel dafür sind das Andachtsbild mit der raffaelischen Madonna mit Kind und, im Hintergrund, San Giovannino und San Giuseppe, sowie dekorative Elemente wie die Kartusche im Stil des 18. Jahrhunderts, die zur Rezitation des Ave Maria einlädt, und die Sonnenuhr an der dem Innenhof zugewandten Fassade. Unter den falschen Architekturelementen, die auf der Außenseite des Hauses dargestellt sind, sollte man das ebenfalls gemalte Fenster mit seinem weißen Vorhang erwähnen, das mit dem echten Fenster ein zweibogiges Fenster mit hölzernem Querbalken bildet, sowie das falsche Kapitell etwas weiter unten, das vor Ort als „Gallinella“ bezeichnet wird und die Eigenschaften des Mauerwerks unterstreicht.

 

Dieses kleine Haus, das von der mittelalterlichen Anlage zeugt, auch wenn es mit Elementen des 20. Jahrhunderts versehen ist, ist der einzige Beweis für die früheren Bauwerke. Tatsächlich sind die anderen Gebäude, die zum Hauptinnenhof zeigen, typische Vertreter der Stile des 18. Jahrhunderts. Etwas kunstvoller erscheint die Fassade des Portikus gegenüber dem Eingangstor, wo sich die drei Rundbögen mit der gewaltigen Reihe aus Pilastern verbindet, die ein hohes, mit einer Rinne ausgestattetes Gesims tragen.

Dieser Gebäudeblock diente, wenn auch in seiner Gestaltung majestätisch, als Portikus, eine Art „überdachter Hof“, in dem man nicht nur die Arbeitswerkzeuge vorübergehend aufbewahren, sondern auch Ernteprodukte sortieren konnte, der aber möglicherweise auch als Unterstand für landwirtschaftliche Nutztiere diente. Besondere Aufmerksamkeit und höchsten Schutz verdient der Bereich, der als Kochstelle diente, wo in der Tat zwei Öfen zu sehen sind: Ein kleinerer, der vermutlich der Zubereitung von Brot und Speisen diente, und ein größerer, der sich durch ein majestätisches Deckengewölbe auszeichnet und als Heizkammer für einen darüberliegenden Raum diente, in dem Kleidungsstücke und Waren getrocknet wurden.

 

Das gegenüberliegende Gebäude sollte wahrscheinlich identisch gestaltet sein, wurde aber – vielleicht aus wirtschaftlichen Gründen – niemals fertiggestellt. Das Erdgeschoss war als Weinkeller bestimmt, wie sich leicht aus der Anwesenheit von zwei Ziegelsteinmauerpaaren ableiten lässt, auf denen einst die Fässer gelagert wurden. Einzigartig ist der Bodenbelag aus Terracotta mit einer zentralen Entwässerungsrinne, kombiniert mit einem Steinbecken zum Sammeln des Wassers, das dem zuvor beschriebenen in allen Einzelheiten ähnelt. Links des Eingangs dieses Gebäudes befindet sich der Zugang zu einem zweiten Raum, der für die Verarbeitung von Ernteprodukten vorgesehen war, wie das Vorhandensein von Resten eines Olivenmahlsteins zeigt. Aus diesem Raum gelangt man zu einem niedrigeren, der sich durch ein tieferliegendes Tonnengewölbe auszeichnet, deren Segmente von Rippen getragen werden, die diesen Keller für Nahrungsmittelprodukte unterteilen.

Das Oratorium ist als rechteckiger Raum gestaltet, der durch die Hell-Dunkel-Kontraste des typischen Stils des 18. Jahrhunderts gekennzeichnet ist. Die zurücktretenden Blindspiegel werden von Pilastern unterbrochen, die ein hohes geformtes Gesims tragen, auf dem ein Kreuzgewölbe ruht, das im zentralen Bereich jeder Wand von Rippen geteilt wird. Es ist gekennzeichnet durch die zwei Öffnungen ins Freie, einen internen Eingang und einen Altar aus mehrfarbigem Marmor, der ganz in der Veroneser Mode des 18. Jahrhunderts in einer Nische untergebracht ist, deren Rückseite mit einem mehrfach linearen Stuckrahmen verziert ist, der die kostbare Holzstatue der thronenden Jungfrau Maria mit Kind aus dem 15. Jahrhundert hervorhebt. Die Beleuchtung der Kirche wird durch Lünetten oberhalb der beiden Außeneingänge und des Altars gewährleistet. Zwei oval geformte Fenster beleuchten die Bereiche neben dem Altar, die als Sakristei und Beichtstuhl dienten. Bemerkenswert ist der fächerförmige Glockenturm des Hofes, der in der Dachmitte des Hauptgebäudes aufragt und durch einen Handglockenzug innerhalb der Kirche bedient wurde. Die Formen des Glockenturms ähneln jenen der majestätischen Schornsteine, die an die Stilrichtungen des 18. Jahrhunderts erinnern.

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